vhb-Kurs: Einführung in das Risikomanagement


Die inzwischen vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange: Die „Digitalisierung“ drängt sich in die Produktionshallen und verbindet Informations- und Kommunikationstechnologien mit Industriemaschinen. Im Mittelpunkt dieser Entwicklungen stehen völlig neue Kundenbedürfnisse – Produkte nach Maß und individualisiert gefertigt, die Produktion vollautomatisiert durch Maschinen. Die weltweite Vernetzung von Märkten eröffnet vielen Unternehmen neue Möglichkeiten, ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen rund um den Globus anzubieten.

Der Wandel ist jedoch nicht ausschließlich technologiegetrieben, die Gesellschaft entwickelt sich dahingehend. Europas wichtigsten Industrieländern prognostiziert das BMWi in den nächsten zehn Jahren einen Zuwachs in der Wertschöpfung von rund 1,25 Billionen Euro.

Dass die mit der "Industrie 4.0" einhergehenden Chancen jedoch auch Risiken bergen, liegt auf der Hand: Bisher noch nie dagewesene oder wahrgenommene Wettbewerber drängen mit disruptiven Innovationen auf stark umkämpfte globale Märkte; es gibt viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren.
Ferner spielen auch in dieser Revolution Beschaffungsrisiken, Wechselkurs- und Währungsrisiken, Personalrisiken, Finanz- und Liquiditätsrisiken oder Reputationsrisiken (wie zum Beispiel der aktuelle Skandal beim Automobilkonzern Volkswagen zeigt) eine maßgebliche Rolle.

Ebenso stellen ...

  • die steigende Volatilität in der konjunkturellen Entwicklung mit abrupt auftretenden Krisensituationen (z. B. Unternehmenskrisen wie Schlecker oder Praktiker etc.; politische Krisen wie die aktuelle Flüchtlingskrise; globale Krisen wie die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009),
  • neue Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie (z. B. Augmented Reality etc.) sowie
  • die steigenden und umfassenderen Anforderungen des Gesetzgebers an Transparenz und Compliance ...

... Unternehmen vor neue Herausforderungen und mögliche Risiken. Nicht oder zu spät entdeckte Risiken können zu schwerwiegenden und existenziell bedrohlichen Krisen führen, nicht wahrgenommene oder nicht genutzte Chancen zu (erheblichen) Wettbewerbsnachteilen.

Dadurch steigt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Risikomanagern. Im Rahmen der Ausbildung sind sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte von entscheidender Bedeutung, um den Studierenden einen integrierten und interdisziplinären Ansatz zu vermitteln.

Risikomanagement wird in Form eines systematischen, aufeinander aufbauenden Prozesses durchlaufen. Der Risikomanagementprozess besteht aus den Prozessschritten Risikoidentifikation, Risikobewertung und -aggregation, Risikosteuerung und Risikokontrolle.

Das vorliegende Lehrangebot ist an diesem prozessualen Aufbau orientiert und gliedert sich dementsprechend.

 

Kurzgliederung

  1. Rechtliche und betriebswirtschaftliche Motivation zum Risikomanagement
  2. Risikoidentifikation
  3. Risikobewertung und -aggregation
  4. Risikosteuerung
  5. Risikokontrolle und -reporting
  6. Risikomanagementinformationssysteme (RMIS)

Lern-/Qualifikationsziele:

Den Studierenden werden die Grundlagen des Risikomanagements vermittelt. Die Studierenden können Risiken identifizieren, strukturiert erfassen und bewerten und darüber hinaus den Risikoumfang auf mathematischer Basis ausdrücken. Die Studierenden sind in der Lage, geeignete Risikomaßnahmen abzuleiten und wissen, wie Risiken überwacht werden können.

 

M1 | Rechtliche und betriebswirtschaftliche Motivation zum Risikomanagement

In Deutschland gibt es außerhalb des Bankensektors – seit dem Inkrafttreten des KonTraG im Jahre 1998 – gesetzliche Regelungen zum Aufbau eines unternehmerischen Risikomanagements. Neben der gesetzlichen Pflicht zum Aufbau eines Risikomanagements ist der systematische Umgang mit Risiken auch betriebswirtschaftlich interessant, da das bewusste Eingehen von Risiken die Plan- und Steuerbarkeit des Unternehmens maßgeblich positiv beeinflusst.

M2 | Risikoidentifikation

Im Rahmen der Risikoidentifikation werden alle wesentlichen Risiken eines Unternehmens systematisch erfasst. Je früher Risiken identifiziert werden, desto umfassender können entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die Risikoidentifikation ist eine fundamentale Aufgabe des Risikomanagements, da hierdurch die Informationsbasis für alle weiteren Prozessschritte aufgebaut wird; denn ausschließlich identifizierte Risiken können auch bewertet, aggregiert und gesteuert werden. Zur Identifikation von Risiken kann auf verschiedene Methoden zurückgegriffen werden.

M3 | Risikobewertung und -aggregation

Nachdem die Risiken identifiziert worden sind, müssen sie bewertet werden. Dazu stehen sowohl qualitative als auch quantitative Methoden zur Verfügung. Ziel der Risikobewertung ist die Beschreibung des Risikos in Form von geeigneten statistischen Verteilungsfunktionen. Sind die relevanten Risiken durch Verteilungsfunktionen beschrieben, besteht im Anschluss die Aufgabe, die Gesamtrisikoposition des Unternehmens durch eine sogenannte Risikoaggregation zu ermitteln.

M4 | Risikosteuerung

Dieses Modul befasst sich mit den Möglichkeiten zur Risikosteuerung. Die Risikosteuerung ist stark an die Strategie eines Unternehmens gebunden, da dort auch verankert ist, wie das Unternehmen gegenüber Risiken eingestellt ist (Risikoneigung). Zudem ist das Risikodeckungspotenzial (=vorhandenes Eigenkapital) von maßgeblicher und existenzieller Bedeutung.
Zur Steuerung von Risiken kann auf verschiedene Strategien zurückgegriffen werden.

M5 | Risikokontrolle und -reporting

Mit Hilfe von Frühwarnindikationen (sogenannte Key Risk Indicators, KRI) können (negative) Veränderungen von Risikoumfang oder Risikoeintrittswahrscheinlichkeit überwacht und rechtzeitig erkannt werden. Die Risikokontrolle überwacht aber nicht ausschließlich KRI, sie wird auch dazu eingesetzt, durchgeführte Maßnahmen im Rahmen der Risikosteuerung zu kontrollieren und sie auf Effizienz und Erfolg zu evaluieren.
Im Rahmen des Risikoreportings werden alle Erkenntnisse der einzelnen Risikomanagementprozessphasen in einen Risikobericht überführt. Die Adressaten des Risikoberichts sind sowohl Risikoverantwortliche, Abteilungsleiter, die Geschäftsführung, der Aufsichtsrat oder auch Externe wie z. B. Abschlussprüfer, Aktionäre oder Rating-Agenturen. Umfang und Detaillierungsgrad des Risikoberichts sind hierbei abhängig vom Berichtsempfänger.

M6 | Risikomanagementinformationssysteme (RMIS)

Voraussetzung für den unternehmensweiten und nachhaltigen Aufbau eines Risikomanagement ist die Softwareunterstützung durch Risikomanagementinformationssysteme. Zwar können bekannte Risiken mit Standardwerkzeugen, wie z. B. Excel-Tabellen, erfasst und aufbereitet werden, sie kommen jedoch schnell an ihre Grenzen. Sobald weitere Benutzer eingebunden werden sollen, ist ein integrierter Softwareansatz erforderlich, wie es Risikomanagementinformationssysteme mit sich bringen.


Anrechnung

4 SWS, 5 ECTS

  • B. Sc. Wirtschaftswissenschaften (Platzhalter "Ausgewählte Probleme der Betriebswirtschaftslehre")
  • B. Sc. Wirtschaftsinformatik (Platzhalter "Ausgewählte Probleme der Betriebswirtschaftslehre")

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt über die vhb.